Allein unter neurotischen Müttern / Lavinia Meier-Ewert scheibt was in der Thüringer Allgemeinen

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Lavinia Meier-Ewert spricht mit den Darstellerinnen und macht sich dabei Notizen…

Hier einige Ausschnitte aus dem Artikel:

"Im besten Sinne gut gemacht", sei "Molly Eyre", findet Regisseur Jürgen Weber. Er inszeniert die Komödie um vier neurotische Mütter - darunter eine heimliche Autorin - am Theater Erfurt. Freitag ist Premiere. Foto: Sascha Fromm

Foto: Sascha Fromm

(…) Der Regisseur steht in der Kantine des Erfurter Theaters wie Jeff Bridges als „Big Lebowski“ auf der Bowlingbahn – mit Mähne, Vollbart und Totenkopf-Shirt – und erklärt nun, was ihn daran gereizt hat, ein Stück zu inszenieren, in dem vier neurotische Mütter beim Umdekorieren des Kindergartens aufeinander losgehen.  (…)

Jürgen Weber kennt sich  aus mit Eltern, die alles richtig machen wollen und mit Kindergarten-Abenden, auf denen Sätze fallen wie: „Guck mal, wie weit meiner schon ist: Was der für einen schönen Kartoffeldruck gemacht hat.“

Aus solchen Situationen schöpft die Komödie „Molly Eyre“, die Weber 2013 in Würzburg uraufführte und die am Freitag im Erfurter Theater Premiere hat, ihre Pointen. Laut ausgesprochen klingt der Titel nicht von ungefähr irgendwie vertraut: wie Molière nämlich, dessen einschlägigen Charakteren die britische Autorin Tamsin Kate Walker hier die Ehre erweist: Tartuffe etwa, der hier Uta Treff heißt und Yogalehrerin ist. (…)

Vor zehn Jahren hat Jürgen Weber sich dem Fernsehen ab- und der Oper wieder zugewandt. Derzeit schreibt er ein Libretto für eine Oper über Karl Marx, inszeniert am Schauspiel Bonn mit Jugendlichen Schuberts „Winterreise“ und hat für die Erfurter Inszenierung von „Molly Eyre“ die Musik geschrieben. Die proben Webers Mädels, als der Kaffee leer ist, gerade auf der Studiobühne. Zwischen Schaukelpferd und Kinderküche huldigen drei Schauspielerinnen steppend und singend der vierten in ihrer Mitte. „Ich bin schwanger“, juchzt die – „yea, das muss klingen wie ein Orgasmus“, ruft Weber – „Halleluja!“, singen die anderen.

Von 300 Bewerberinnen hat er sich noch mal 60 live angesehen – schließlich sollen die nicht nur singen, sondern auch ein Instrument spielen können. Können sie, und das Ergebnis hat – soweit sich das nach einem Probe-Ausschnitt sagen lässt – durchaus Schmiss. Und die Schauspielerinnen haben sichtlich Spaß, die Mütter-Klischees zu persiflieren, die sie teils aus eigener Erfahrung kennen. „Man wird schon, wenn man Mutter wird, sehr sonderbar“, sagt „Molly“-Darstellerin Andrea Seitz und lacht. Aber so überspitzt die Figuren seien, so sehr könne man sich in jeder wiedererkennen, findet Kristin Graf. Und lachen, sagen sie, befreit – wo in Sachen Kindererziehung ja sonst eher Glaubenskrieg herrsche als Humor.

Premiere am Freitag um 19.30 Uhr im Studio. Weitere Aufführungen: 21., 25., 27. und 28. Februar und 4. März.

Lavinia Meier-Ewert / 18.02.15 / TA
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